Mareike Wulf

Smartphone auf Rädern? Das Auto der Zukunft

Die Automobilindustrie war und ist Beschäftigungsgarant und Innovationsmotor für unser Bundesland. Aber: Die Automobilindustrie befindet sich schlichtweg vor dem grundlegendsten Wandel ihrer Geschichte.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Leitmärkte, also die Märkte mit dem stärksten Absatz, der Automobilindustrie verändern sich fundamental.
  • In China sind alternative Antriebstechnologien, allen voran die E-Mobilität, auf dem Vormarsch.
  • In den USA wird das autonome Fahren kontinuierlich weiterentwickelt.


Die internationale Konkurrenz schläft also nicht. Und das ist kein Zufall. Mit der Strategie “Made in China 2025” strebt China an, den Platz zwei der führenden Produzenten alternativer Antriebe zu erreichen. Fahrzeugtechnik mit alternativen Antrieben soll bis 2025 zu den zehn wichtigsten Wirtschaftsbereichen in China gehören.

Und das hat einen Grund: Gerade alternative Antriebstechnologien sind für chinesische Firmen interessant. Einfach weil die Innovationsvorsprünge des Westens hier noch nicht so groß sind.

Wir befinden uns in einem Wettbewerb, um die Technologieführerschaft im Bereich alternativer Antriebssysteme.

Und deshalb ist es richtig, hierbei eben nicht einseitig auf E-Mobilität zu setzten, sondern auf die besten Rahmenbedingungen für die Forschung und Entwicklung verschiedener alternativer Antriebstechnologien wie Hybridtechnologie oder die Brennstoffstelle.

Das gleiche gilt für die Batteriezellfertigung. Deutschland und Niedersachen laufen Gefahr sich abhängig von Südostasien zu machen. Und deshalb begrüße ich die Bestrebung sich für eine Batteriezellfertigung in Niedersachsen gegenüber dem Bund stark zu machen. Wenn Deutschland auf dem internationalen Markt bestehen will, müssen wir den Wandel zu einer klimaschonenden Mobilität wirtschaftlich erfolgreich und sozial verträglich umsetzen.

Die Zukunftsfähigkeit der Automobilbranche, bei gleichzeitiger Reduzierung der CO2-Emissionen ist Schlüsselfaktor dafür, dass wir unser Land verantwortungsvoll an die nächste Generation übergeben können.

Warum sprechen wir dann noch von Autoländern? Es ist richtig, hier in Niedersachsen bauen wir Autos. Wir verarbeiten Metall, wir verarbeiten Kautschuk, wir sind führend im Bereich Elektrotechnik. Das können wir richtig gut.

 Aber wer den Automobilmarkt der Zukunft beherrschen will, der muss wissen, dass das Geschäftsmodell „richtig gute Autos bauen und verkaufen“ massiv unter Druck steht. Die Digitalisierung fordert auch im Mobilitätssektor ein Umdenken. Wir reden zukünftig über ein Smartphone auf Rädern oder zumindest über ein Auto mit Computer.

Und deshalb ist der Anspruch, „das Auto der Zukunft muss in Niedersachsen vom Band rollen“ viel zu kurz gesprungen. Die Wertschöpfung im Automobilsektor verschiebt sich von der Hardware in Richtung Software. Und es geht um datengetriebene Mobilitätsdienstleistungen. Carsharing, MOIA oder Uber sind nur einige Beispiele dafür.

Deshalb gilt: Wir werden nur Autoland bleiben, wenn wir auch das Land der coolsten Apps werden. Auch die Mobilitätsdienstleistungen der Zukunft und das weltbeste Appdesign muss in Niedersachsen entstehen.

Fragen, wie Mobilitätsdaten generiert und wie damit umgegangen wird, müssen geklärt werden. Es muss ebenso rechtlich geklärt werden, wem diese Mobilitätsdaten gehören und wie Märkte entstehen, auf denen Wettbewerb möglich ist und keine Monopole entstehen.

Wer das Auto der Zukunft bauen will, der muss an Datenverarbeitung und an vernetzte Mobilität denken. Und damit auch an einen flächendeckenden Breitbandausbau und mobile Daten. Denn es zeigt sich, wo gestern Benzinverbrauch, Motorleistung und technische Qualität im Mittelpunkt standen, sind heute vernetzte Dienste ausschlaggebenden für den Autokauf.

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