Mareike Wulf
Was können unsere Schulen? Mein Besuch in der Waldschule Hatten

Lernen im digitalen Zeitalter

Für mich ist es klar: Mein Tablet gehört zu meinem Alltag. Ich arbeite mittlerweile komplett papierlos und kann es mir kaum noch vorstellen, Stapel von Kopien und Print-Unterlagen mit mir herumzuschleppen. Kann das auch in Schulen funktionieren?

Ich habe die Waldschule Hatten besucht und am Unterricht mit Tablets teilgenommen. Ab der Klasse sieben wird hier durchgängig mit Tablets gearbeitet. Das komplette Kollegium macht mit, jeder Schüler und jede Schülerin hat ein elternfinanziertes Tablet.

24 Schülerinnen und Schüler; Thema heute: New York. Zuerst erstellen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam eine Tag-Cloud. „What do you know about New York? Type in a few words!“ Die Tag Cloud wächst, „Statue of Liberty“, „Central Park“, „Freedom“ erscheinen an der Wand. Zum Schluss gewinnt „Shopping“. „This is quite a girly class“ schlussfolgert die Lehrerin, Frau Walter. Anschließend wird das Lied von Alicia Keys „New York“ bearbeitet – natürlich auf dem Tablet. In Still- und in Gruppenarbeit.

Einige Schüler nutzen einen Stift, andere die Tastatur. Ein Schüler überspielt sein Ergebnis per Air Drop an die Wand und dann geht die Diskussion los. Klar ist, diese Schülerinnen und Schüler werden kein Problem mit der Anwendung von Technik haben. Die Unterrichtsstunde selbst läuft relativ klassisch ab. Die Schüler arbeiten konzentriert mit, ob alleine am Tablet oder in der Gruppe.

Auch die Verwaltung der Schule ist digital auf dem schuleigenen Server. Alle Lehrer haben einen Zugriff auf das Portal, eine eigene Emailadresse, über die sie mit der Schüler- und Elternschaft kommunizieren. Die Lehrer verwalten hier ihre Unterlagen, führen das Klassenbuch digital und tauschen Unterlagen aus.

Ich finde das vorbildlich, denn die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist nicht mehr aufzuhalten und verändert langfristig alle Lebensbereiche. Fast alle Menschen nutzen wie selbstverständlich digitale Angebote. Aber wer versteht eigentlich die Wirkung der dahinterstehenden Algorithmen und Geschäftsmodelle? Digitale Kompetenz heißt das neue Schlagwort. Dabei geht es vor allem um selbstbestimmte und verantwortungsvolle Nutzung, aber auch um gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt und last but not least – auch um die Zukunft der Demokratie. Denn die Möglichkeiten und die Verantwortung des mündigen Bürgers wachsen im digitalen Zeitalter.

Richtig ist es daher allen Schülerinnen und Schülern eine aktive, selbstbestimmte Teilhabe in einer digitalisierten Gesellschaft zu ermöglichen und die Vermittlung grundlegender digitaler Kompetenzen im Bildungsauftrag der Schule zu verankern. Derzeit arbeite ich daher an einem Antrag zum Thema “Bildung für eine digitalisierte Gesellschaft”.

One Comment

  • Daniella Cunha Teichert

    Liebe Fr. Wulf,
    ich bin gestern (01.03.19) im Plenum gewesen und habe die Diskussion mitverfolgt bzgl. Bildung in der digitalisierten Welt.
    Ich bin Ingenieurin, in der Automotive Industrie tätig und beschäftige mich mit dem Thema Digital Transformation. Außerdem bin ich Mutter von 2 Kinder und engagiere mich Ehrenamtlich für das Thema #BildungRevolutionieren #DigitaleBildung #ChildrenInTech #Robotik im Förderverein des Eichsfelds Gymnasium in Duderstadt.

    Ich fand die Diskussion gestern sehr interessant, insbesondere bzgl. das Thema Aus- und Weiterbildung der Lehrerschaft i.S. Digitalisierung.
    Mich macht es traurig festzustellen dass, – ähnlich wie auch in der Industrie – wird auch in der Digitalisierung der Schulen der Fokus auf Toolset (Methoden und Werkzeuge) und ein wenig auf Skillset (Fähigkeiten) gelegt. Für mich ist der entscheidende Faktor einer erfolgreicher Digitalisierung / Digitale Transformation aber der MINDSET – die Haltung, mit der man an Wissen und Lernen herangeht. Dieser Faktor wird leider zu oft gar nicht berücksichtigt. Das ist besonderes wichtig wenn man sich mit dem Thema “Neues Lernen” beschäftigt.

    Was meine ich damit? Meine Freundin Barbara Hilgert hat vor kurzem eine sehr tolle Beitrag zur “Grundlage fürs Neues Lernen” geschrieben: https://t2informatik.de/blog/prozesse-methoden/scrum-als-grundlage-fuer-neues-lernen/

    Was für mich die wichtige Passagen des Textes waren:
    “Soll jedoch der Einsatz digitaler Medien in einen Lernerfolg münden, belegen unterschiedliche Studien …, dass es u.a. besonders wichtig ist, dass die Schüler*innen den Lernprozess selbst kontrollieren und eine optimierte Kollaboration auf Augenhöhe realisieren. ”

    “auch neues Lernen funktioniert nur, … , wenn die dahinter stehenden Werte authentisch gelebt werden und bei einen Beteiligten (inklusive der Lehrkräfte) ein entsprechendes Mindset existiert.”

    die Werte fürs neues Lernen identifiziert Barbara als: “Selbstorganisation, Iterative Adaption an Umweltkomplexität (Problemlösungskompetenz), Kollaboration auf Augenhöhe, Transparenz, Respekt und Wertschätzung.”

    Das Mindset und die Werten sehe ich leider sehr selten gelebt in den Schulen.
    Die Machtverhältnisse sind da extrem unausgeglichen zwischen Schüler und Lehrer.
    Sehr oft werden Schüler nicht auf Augenhöhe behandelt.
    In den meisten Schulen wird das “Ellenbogen-Prinzip” statt Kooperation gefördert.
    Das wird noch bestärkt über die Leistungsbewertungssysteme die nicht zur Kooperation angelegt sind.

    Diese Mindset werden von der Industrie mehr den Je gefragt, und wenn die Grundlagen nicht in den Schulsystem gelegt werden, wo denn sonnst? Leider wird die Prägung von zuhause in der Richtung oft von Gruppenzwang unterdrückt…

    Ich sehe die Schulen in der Verantwortung die Kinder nicht nur mit Inhalt voll zu pumpen, aber auch eine Beitrag zu leisten die Kinder zur verantwortungsvolle Erdbewohner mitzuentwicklen, wo generative Ansätze zur nachhaltige Zukunftsgestaltung initiiert und propagiert werden.

    In der Politik liegt es die Verantwortung ein Framework dazu zu schaffen.

    Eine Möglichkeit wäre die Festlegung eduScrum als Arbeitsrahmen für die Digitale Schule: http://eduscrum.nl/de/home und das als feste bestandteil der Pflichtkurse in Rahmen der Lehrerausbildung einzufügen.

    Würde mich interessieren ihre Meinung dazu zu hören!
    Ich freue mich auf ihre Rückmeldung und weitere Austausch mit Ihnen!

    Mit freundlichen Grüße,
    Daniella Cunha Teichert

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